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Euler Hermes Gruppe:

Die Insolvenzen kehren nach Deutschland zurück
 

In Deutschland waren die Insolvenzen die letzten sechs Jahre rückläufig und haben ein Rekordtief erreicht. Jetzt zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Euler Hermes prognostiziert erstmals stagnierende Fallzahlen 2016 und 2017 sollen nach den Einschätzungen des weltweit führenden Kreditversicherers die Pleiten um 1% ansteigen. Besonders alarmierend ist der weltweite Trend an Insolvenzen von großen Unternehmen, die schnell zahlreiche Lieferanten mit in den Abwärtsstrudel ziehen können. 60% mehr solcher Fälle weltweit verzeichnete Euler Hermes bereits 2015 - in Deutschland waren es acht. "Too big to fail" gibt es nicht, sondern "Too big, which failed". Dabei ist die Zahlungsmoral bei den Deutschen weiterhin sehr gut. Sie zahlen früh - oder gar nicht. Zahlungsausfälle sind bereits um 3% gestiegen. Bei den Branchen ist insbesondere die Textilindustrie, der textile Einzelhandel, aber auch Metall- und Transportbranche risikoreich.
• Insolvenzen in Deutschland stagnieren 2016 erstmals und steigen 2017 voraussichtlich um 1% an
• Vorsicht vor dem Dominoeffekt bei großen Insolvenzen, Anstieg bei Insolvenzen von großen Unternehmen alarmierend
• Früh oder gar nicht: Deutsche Unternehmen zahlen sehr schnell – aber Zahlungsausfälle bereits 2015 um 3% gestiegen
• Branchen: Risiko in Textilbranche zuletzt gestiegen, aber auch Transport- und Metallsektor weiterhin wackelig

Hamburg, 2. Juni 2016 – Die Insolvenzen kehren nach Deutschland zurück. Zwar noch nicht 2016, voraussichtlich aber 2017. Im laufenden Jahr zeichnet sich aber in Deutschland bereits eine Trendwende ab: Erstmals seit sieben Jahren stagnieren die Pleiten auf dem Rekordtief bei etwa 23.100 Fällen und werden 2017 dann nach Einschätzungen des weltweit führenden Kreditversicherers zum ersten Mal wieder steigen, wenngleich nur leicht, um 1%. Weltweit erwartet Euler Hermes einen Zuwachs von 2%, sowohl in 2016 als auch abermals in 2017.

„Damit schlägt sich Deutschland bei den Insolvenzen zwar besser als der weltweite Durchschnitt, aber trotzdem sind die Jahre des steten Rückgangs vorbei“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe.

„Der Erholungszyklus nach der Wirtschaftskrise ist beendet, jetzt ist wieder alles auf Null, das Spiel beginnt von vorne und es ist wieder alles möglich. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland verspricht 2016 mit einem erwarteten Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt um 1,7% zwar Gutes, aber als exportstarke Nation leiden deutsche Unternehmen vor allem auch unter den Entwicklungen bei wichtigen Handelspartnern.“
Dort steigen vielerorts die Insolvenzen. Mit den USA, Großbritannien und China verzeichnen gleich drei der fünf wichtigsten Handelspartner der Deutschen einen Zuwachs bei den Pleiten und Frankreich bewegt sich weiter auf Rekordniveau und rund 30% oberhalb des Vorkrisenniveaus. Einzig die Niederlande verbuchen voraussichtlich einen Rückgang um 5%.

Folgeinsolvenzen: Vorsicht vor dem Dominoeffekt bei großen Unternehmen – Trend alarmierend

„Die Entwicklung der Insolvenzen bei großen Unternehmen ist alarmierend und in der Folge sehen wir einen zunehmenden Dominoeffekt auch bei ihren Lieferanten“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
„Im letzten Jahr hat sich gezeigt, dass es kein ‚too-big-to-fail‘ gibt. Im Gegenteil, gerade die ‚Großen‘ sind umgefallen. Die Anzahl der ‚too-big-which-failed‘ ist mit einem Zuwachs von 60% erheblich gestiegen. Wenn ein Lieferant nicht ausreichend geschützt ist, gerät er schnell mit in den Abwärtsstrudel.“
2015 gab es weltweit 152 Insolvenzen von Unternehmen mit einem Umsatz größer als 100 Millionen (Mio.) Euro. 2014 waren es nur 94, das ist demnach ein Anstieg um 60%. 25 dieser Firmen (und 14 in 2014) waren sogar oberhalb der Umsatzmarke von einer Milliarde (Mrd.) Euro. Nimmt man ihren Umsatz zusammen, beläuft sich dieser auf 87 Mrd. Euro – im Vergleich zu 28 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze der insolventen großen Unternehmen waren demnach drei Mal so hoch wie im Vorjahr.

In Deutschland meldeten acht Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro Insolvenz an mit einem kumulierten Umsatz von insgesamt 2.000 Mio. Euro. Das dürfte einige Lieferanten durch den Dominoeffekt in Schwierigkeiten gebracht haben.
Wichtiger Indikator für die erwartete Trendwende bei der deutschen Insolvenzentwicklung ist aber auch die Zahlungsmoral.

Früh oder gar nicht: Zahlungsmoral der Deutschen sehr gut – aber Zahlungsausfälle gestiegen

„Deutsche Unternehmen gehören traditionell zu den Schnellzahlern“, sagte Van het Hof. „Nach durchschnittlich 56 Tagen bezahlen börsennotierte deutsche Unternehmen ihre Rechnungen, das ist elf Tage schneller als der weltweite Durchschnitt.
Im Niedrigzinsumfeld zahlen die Firmen sogar noch schneller als im Vorjahr und versuchen, wenigstens von Skonti zu profitieren. Kredite nutzen sie trotz der Verfügbarkeit und günstigen Konditionen häufig nicht, sie warten bei Investitionen lieber ab. Allein die DAX 30 Unternehmen sitzen auf einer ‚Kriegskasse‘ von insgesamt 142 Mrd. Euro an Barmitteln. Da wundert es kaum, dass die Zahlungsmoral sogar steigt.
 
Auch Zahlungsverzögerungen sind rückläufig

 Ausschlaggebend ist aber, dass die Zahlungsausfälle bereits im vergangenen Jahr trotzdem um 3% angestiegen sind. Firmen zahlen also schneller – oder eben gar nicht. Je später die Zahlung, desto höher das Risiko.“

Branchen: Risiko in Textilbranche gestiegen, aber auch Transport- und Metallbranche wackeln

„Besonders stark ist zuletzt das Risiko in der deutschen Textilbranche gestiegen“, sagte Van het Hof. „Im textilen Einzelhandel haben wir zuletzt bereits einige größere Insolvenzfälle verzeichnet. Aber auch die Transport- und Metallbranche bleiben Wackelkandidaten mit erheblichem Risiko.
Der Handels- und Dienstleistungssektor sowie die Baubranche haben zwar zuletzt allesamt einen Rückgang verzeichnet, aber absolut gesehen sind sie immer noch für die höchste Anzahl an Pleiten verantwortlich. Entsprechend wichtig ist es, Branche und Abnehmer genau unter die Lupe zu nehmen.“